Anspruch und Wirklichkeit

Die Generation Y hat andere Ansprüche als ihre Vorgänger - zu hohe?
Die Generation Y hat andere Ansprüche als ihre Vorgänger – zu hohe?

Im Dezember 2013 ist im Magazin der IHK Braunschweig ein Artikel zum Thema Employer Branding – also der Erschaffung einer Markenidentität als Arbeitgeber – erschienen. Natürlich wurde auf den angeblich in Zukunft überall um sich schlagenden Fachkräftemangel hingewiesen. Für Arbeitgeber sei es also notwendig, auf dem Arbeitsmarkt für sich zu werben, um junges, qualifiziertes Personal anzulocken. Doch nicht nur Werbung, sondern ein allgemeines Umdenken sei erforderlich, um die Ansprüche der jungen Leute zu erfüllen. Als Gründe wurden die gängigen Eigenschaften der Generation Y aufgezählt:

  • Sie hinterfragen alles.
  • Sie sind (über-?)behütet aufgewachsen und haben ein übersteigertes (!) Selbstbewusstsein.
  • Work-Life-Balance sei ihnen wichtiger als eine harte Karriere.
  • Sie sind hoch-engagiert, scheuen sich aber, sich in traditionelle Hierarchien einzuordnen (=unterordnen?).
  • Sie kennen keine Krisen und keine Grenzen.
  • Sie erwarten von Anfang an einen angemessenen Lohn und angemessene Arbeitsumstände.
  • Karriere im Sinne von „schnell nach oben kommen“ hat nicht die erste Priorität, sondern eine sinnstiftende, erfüllende Tätigkeit ist wichtiger.

Im Großen und Ganzen scheint mir das eine treffende Beschreibung der Ansprüche junger Leute der Generation Y zu sein, nur der leicht negative Unterton gefällt mir bei diesem Artikel nicht. Ja, es stimmt, dass viele von uns wohlgehütet aufgewachsen sind. Ja, es stimmt, dass wir keine Kriege, keine Katastrophen miterlebt haben. Ja, es stimmt, dass wir nicht mehr bereit sind, viele angeblich „gegebenen“ Umstände einfach so hinzunehmen. Doch ist das Grund genug, uns ein übersteigertes Selbstbewusstsein zu unterstellen?

Ich sehe diese Entwicklung eher positiv: Wir sind eben nicht mehr bereit, alles zu hinzunehmen, wie es ist. Wir sind nicht bereit, uns bis zum Umfallen für den Arbeitgeber abzurackern und auch nach Feierabend noch erreichbar zu sein, nur weil „sich das so gehört“. Ich glaube unsere Generation hat verstanden, dass das Leben endlich ist und will einfach nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen. Ist es denn so schlimm, dass ich mich mit meinem Job identifizieren möchte? Denn wenn dies so ist, bin ich durchaus bereit, jede Menge Herzblut, Kraft und auch Überstunden darin zu investieren. Ist es so schlimm, dass mir meine Work-Life-Balance am Herzen liegt? Denn schließlich ist nur ein glücklicher, gesunder Mitarbeiter auch einer, der gute Arbeit leistet. Ist es so schlimm, dass ich mich nicht zwischen Familie ODER Beruf entscheiden, sondern einfach beides erleben will? Denn schließlich wird auf der einen Seite ständig gepredigt, dass Frauen Karriere machen und Männer sich mehr um die Familie kümmern sollen, auf der anderen Seite gibt es zu wenig Babys in Deutschland.

Arbeitgeber sollten wissen, dass sie mit der Unterzeichnung eines Arbeitsvertrages nicht nur Arbeitskraft kaufen, sondern die Verantwortung für einen vollständigen Menschen übernehmen, der mehr und andere Bedürfnisse hat, als das Gehalt am Ende des Monats. Daher sehe ich es als vorrangiges Ziel des „Employer Brandings“ an, erstmal nach innen ins Unternehmen zu schauen und die Bedürfnisse meiner Mitarbeiter zu erkennen und verstehen und darauf einzugehen. Wenn dies gelingt, wird es gar nicht mehr so schwer sein, neue qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen.

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