Multioptionalitätsauswirkungen

Was passiert, wenn man alle Möglichkeiten der Welt zur Verfügung hat? – Meistens gar nichts.

Ein von mir häufig beobachtetes „Problem“ ist es, dass zu viele Möglichkeiten eher zu Stillstand führen anstatt zu fröhlich-motiviertem Aktionismus. Was wollen wir Samstagabend machen? Kino (Film X, Film Y oder Film Z), Cocktails trinken (Bar 1, Bar 2 oder Bar 3), Disko, Club oder gar einen altmodischen Spieleabend? Meistgehörte Antwort auf die Frage „Worauf hast du Lust?“ – „Ist mir egal.“

Was sich bei der Wochenendplanung also schon oft als Schwierigkeit herausstellt, wird bei der Lebensplanung noch viel komplizierter. Früher gab es Mama und Papa (oder vielleicht auch nur Papa), die bestimmt haben, in welche Richtung es geht. Entweder wurden Betrieb/Firma/Hof in der Erbfolge weitergegeben oder die Eltern haben einfach bestimmt, welcher Beruf der Richtige für einen war. Solche Bevormundungen scheinen mittlerweile undenkbar, denn wie können Eltern es schließlich wagen, die eigene Freiheit und Individualität zu unterdrücken!?

Doch andererseits überfordert uns die Flut der Möglichkeiten so sehr, dass wir dann doch das Naheliegendste lernen bzw. studieren und uns manchmal jemanden (natürlich nur ganz heimlich, still und leise) wünschen, der uns sagt, wo’s langgeht. Geht mir zumindest so.

„Ich würde gerne so vieles tun, meine Liste ist so lang, aber ich werd eh nie alles schaffen. Also fang ich gar nicht an!“

Die Bremer Poetry Slammerin Julia Engelmann hat das Dilemma der multioptionalen Gesellschaft herrlich treffend in ihrem Gedicht „One Day/Reckoning“ formuliert.

Es gibt so viele Dinge, die uns vom wahren Leben ablenken. Aber niemand wird später mal im Sterbebett sagen „Ach war das schön, dass wir stundenlang an unseren Smartphones rumgedaddelt und sämtliche Folgen vom Dschungelcamp gesehen haben.“ Eher werden wir uns an die spontanen Abende, langersehnten Reisen und endlich doch umgesetzten Pläne erinnern. Und stolz darauf sein, dass wir nicht den einfachsten Weg gewählt haben und trotz vieler Stolpersteine irgendwann Erfolg hatten.

YOLO 😉

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Multioptionalitätsauswirkungen

3 Gedanken zu “Multioptionalitätsauswirkungen

  1. Denise schreibt:

    Erschreckend, aufmunternd, einschüchternd und brutal ehrlich in einem. Julia Engelmann hat da den Nagel auf den Kopf getroffen, ob man das nun hören will oder nicht. Bewusster leben…das scheint nicht nur was für Veganer und Zenmeister zu sein… vielmehr scheint es etwas zu sein, dass sich wohl viele von uns immer wieder ins Gedächtnis rufen sollten. So ganz bewusst.

    1. Ja, das stimmt auf jeden Fall. Obwohl Themen wie „Achtsamkeit“ und „Bewusster Leben“ auch irgendwie gerade eine Art Trend bilden, wie mir scheint. Jede Generation hatte sicherlich ihre Lebensvorstellungen, aber momentan scheinen alle ein bisschen damit überfordert zu sein, einfach das zu tun, wozu sie Lust haben. Vielleicht liegt es auch am Alter… 😉 Schließlich muss man sich jetzt, also wenn man zwischen 20 und 30 ist, einfach überlegen, was man fürs Leben will und wo die Reise hingehen soll.

  2. K schreibt:

    „Jede Generation hatte Ihre Lebensvorstellungen“ ein guter Satz. Unsere Generation hat den Trend keinen Trend zu haben. Alles ist offen: Möglichkeiten, Chancen, Wünsche, Ängste, Bedrohungen, Risiken.
    Traurig aber wahr, so ganz führungslos kommt man sich klein und hilflos vor. Da wünscht man sich einen Trend, nicht dem Trend halber, obwohl, wenn er passt ist mitschwimmen einfach. Falls nicht macht rebellieren irre Spaß und im Zweifel kann man immer noch objektiv alles in Frage stellen und anders denken. Aber ganz ohne?!
    Wenn jede Generation ihren Trend hatte dann könnte unsere den bekommen selbstbewusster zu sein als jede vor ihr, nicht aus Arroganz oder Egoismus, dies scheinen lediglich die Reaktionen zu sein um mit der Überforderung der Trendlosihkeit umgehen zu können…

    Also, nennen wir unsere Generation mit Trend keinen Trend zu haben: #YOLO
    Damit widerum kann ich persönlich gut leben. 🙂

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