Digital native? – Nö, eigentlich nicht.

Die Generation Y’er werden ja häufig auch als Digital natives bezeichnet. Was ja an sich gar nicht korrekt ist, wenn man „native“ mit Ureinwohner oder Eingeborenem übersetzt. Schließlich hatten die meisten von uns noch eine analoge Kindheit und sind erst nach und nach ins Digitale hineingewachsen. Wir wurden von nicht-digitalen Eltern erzogen, die sich selbst erst in die technische Entwicklung einfinden mussten. Ok, wir waren da als Kinder und Jugendliche vermutlich etwas schneller, aber trotzdem: Keiner hat uns diese Dinge erklärt. Wir mussten es uns selbst beibringen und haben es nicht schon „mit der Muttermilch eingesogen“.

Meine ersten pubertären Telefonitis-Anfälle habe ich doch tatsächlich noch mit einem dunkelgrünen Wählscheiben-Telefon absolviert (ok, wir hinkten da der modernen Technik ein klein wenig hinterher). Das erste Handy hatte ganze zwei Zeilen Text auf dem Display und Speicherplatz für zwölf SMS. Die ersten Ausflüge ins World Wide Web wurden minutenweise abgerechten – immer mit der tickenden Telekom-Software im Hintergrund. Als dann der erste längere Auslandsaufenthalt anstand und damit „Freunde“ aus aller Herren Länder auftauchten, war 2010  (da war ich 22) die Anmeldung bei Facebook fällig – vorher präsentierte man seine individuellen Charakterzüge  über Gruppenzugehörigkeiten bei StudiVZ (ich erinnere mich noch dunkel an Gruppennamen wie „Es ist sinnlos, es glitzert, ich will es!“ oder „Scheiß Wind, meine Haare!“). Heute sind wir dank Smartphone, Tablet und Wi-Fi permanent vom Internet umgeben. Wir wissen jedoch noch, wie es ohne war. Oder, um es plakativer zu formulieren: Wir kombinieren das Beste aus beiden Welten!

Die rasanten technischen Fortschritte haben natürlich auch gesellschaftliche Veränderungen zur Folge. Ich glaube, auch hier gibt es noch so einige ausstehende Gewöhnungsprozesse. Auch wenn einiges mittlerweile als normal erscheint, finde ich es immer noch komisch, wenn Leute auf offener Straße mit sich selbst reden (bzw. mit Headset telefonieren) oder während eines Gesprächs ständig auf ihr Smartphone schauen. Und mich erschrickt es, wie viele Leute über die Flut an Informationen schimpfen, obwohl es ihnen selbst frei steht, ob und wie oft sie diese abrufen. Jeder Computer, jedes Smartphone lässt sich schließlich ausschalten. Nur macht es anscheinend keiner. Aus Angst, etwas zu verpassen?

Ich bin gespannt, wie die „wahren“ Digital natives mit diesen Problemen umgehen werden, beziehungsweise ob es für sie überhaupt noch Probleme darstellen. Doch bis ich das erlebe, wird es wohl noch ein paar Jahr dauern …

Wir können solange damit punkten, dass wir sowohl analoges als auch digitales Leben kennen und vermitteln können zwischen denjenigen, denen die „analoge Welt“ geläufiger ist und denjenigen, die schon im Babyalter von ihren Eltern ein iPad in die Hand gedrückt bekommen. Als „Digital Linker“ sozusagen.

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Digital native? – Nö, eigentlich nicht.

3 Gedanken zu “Digital native? – Nö, eigentlich nicht.

  1. K schreibt:

    Wohl war: Gestern sah ich einen Film, in dem (…lange Geschichte…) Sohnemann, ich schätze 8-jährig, der nach Ladendiebstal mit, vom Vater so schön formuliert, einer Woche Kommunikationsfastenfeiern bestraft wurde. Als dem Jungen erläutert wurde, dass dies eine Woche kein Internet, Facebook, Fernsehen und Freunde treffen (ja, in dieser Reihenfolge) bedeutet stürzte für diesen eine Welt zusammen.
    Diese Generation wäre dann wohl Anwärter auf den o.g. Titel.

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