Gastbeitrag: „Entschuldigung, ich bin ein Mann“

Die Frage nach der Gleichberechtigung ist und bleibt ein Thema, das bereits die Generationen vor uns beschäftigt hat und sicherlich auch noch unsere Nachkommen verfolgen wird. Mit Quoten soll versucht werden, die Benachteiligung der Frauen, die jahrhundertelange Unterdrückung auf einen Schlag zunichte zu machen. Quasi als Genmanipulation der Evolution der Rollenbilder. 

Ob sich Männer und Frauen in der Berufswelt jemals auf Augenhöhe begegnen werden?
Ob sich Männer und Frauen in der Berufswelt jemals auf Augenhöhe begegnen werden?

Doch Vorurteile und Benachteiligungen gibt es nicht nur gegenüber Frauen … Lest selbst:

„Ich befinde mich gerade auf sehr dünnem Eis, denn ich bin ein Mann und schreibe einen Gastbeitrag zum Thema Gleichberechtigung der Geschlechter. Und alle so: Uhhhhhhh!

Zur Ausgangssituation: Wie bereits erwähnt, ich bin ein Mann und ich suche gerade eine berufliche Herausforderung – soweit kein Problem, das ein unüberwindbares Hindernis darstellen sollte. Doch mir ist in den vergangenen Monaten etwas aufgefallen. Es gibt doch ein Problem: Ich bin ein Mann in einer Branche, in der sehr viele Frauen arbeiten – der Kommunikationsbranche. In einer Zeit, in der das Thema „Gleichberechtigung“ mit Sicherheit in den Top 5 der gesellschaftlichen Themen steht, sollte die Kommunikationsbranche doch eigentlich Vorreiter und Vorbild für andere sein. Aber ist das so?

Als ich vor einiger Zeit nichtsahnend in einem Vorstellungsgespräch saß, fielen aus dem Nichts die Sätze: „Sie sind ja ein Mann. Wir sind hier bislang nur Frauen, ist das ein Problem für Sie?“ Von der Frage etwas überrascht, habe ich natürlich verneint, schließlich war das während meines Studiums nicht grundlegend anders. Mir wurde im Gespräch darauf immer wieder regelrecht von der Stelle abgeraten, da die Themen sich eher an Frauen orientieren würden. Ich dachte mir also nach einer Weile, es müsste eigentlich heißen: „Wir sind hier bislang nur Frauen. Sie sind ein Mann, das ist ein Problem für uns.“ Ich kam mir daraufhin gegen Ende des Gesprächs eher als Störenfried vor und fragte mich, wozu ich eigentlich eingeladen worden war. Und dann wurde mir klar: Ich wurde gerade wegen meines Geschlechts diskriminiert.

Im Anschluss habe ich mir darüber einige Gedanken gemacht: Meiner Meinung nach hat die Gleichberechtigungsdebatte heute einige Probleme. Eines davon ist, dass die Debatte in unserer Generation kein Kampf mehr für die gleiche Berechtigung von Männern und Frauen für irgendetwas ist. Es geht nicht mehr um die wirklich elementaren Dinge wie noch vor einigen Jahrzehnten: Wahlrecht für Frauen, Arbeit ohne Zustimmung des Ehemannes etc. Gleichberechtigung ist heute auf vielen Gebieten ein Wettkampf der Geschlechter geworden – das jeweils andere Geschlecht wird zur Bedrohung. Jeder verteidigt sein Territorium. Quoten sollen die Zahl der Männer in Aufsichtsräten verringern. Prämien sollen Frauen am Herd halten. Die Schlacht ist im vollen Gange. Und wie es am Ende auch ausgehen wird: Es wird nur Verlierer geben.

So liegt das Problem doch eigentlich viel tiefer: Das Problem ist im Kopf. Der Diskussion fehlt schlicht die Augenhöhe. Die Ausgangslage stellt die Frau in die Ecke der hilfsbedürftigen Person (was übrigens sogar die Frauen, die vermeintlich für die Rechte aller Frauen eintreten, gerne tun) – ihr gegenüber der Mann, der alles dominiert und dem Einhalt geboten werden muss (wer als Mann die Gleichberechtigungsdebatte kritisiert, wird per se in diese Ecke gestellt). Egal, ob jetzt Männer oder Frauen betreffend: Es wird nicht miteinander diskutiert, sondern übereinander. Vorurteile hüben wie drüben, die sich zu Mustern und Meinungen verfestigen und als generalisierbare Wahrheiten dargestellt werden. So wollen ja ganz sicher alle Frauen die große Karriere machen und alle Männer sind Sexisten und Machos. Und wohin führt das? Am Ende wird es vielleicht eine Gleichberechtigung auf dem Papier geben, aber in den Köpfen wird sich nichts geändert haben und „die Fronten“, um beim Kriegsvokabular zu bleiben, werden mehr verhärtet sein denn je.

Männer und Frauen müssen sich selbst gegenseitig als gleichgestellt akzeptieren – im Kopf!

Doch warum setzt man sich nicht mal wirklich zusammen und redet über die eigentlichen Probleme? Geschlechterrollen wird es immer geben. Das ist biologisch nun mal so. Das lässt sich nicht ändern. Es mag auch sein, dass manche Branchen ein „Frauen-Ding“ (das ist ein Zitat) sind und manche ein „Männer-Ding“, aber was spielt das überhaupt für eine Rolle? Wo ist das Problem, die Stärken und Schwächen beider Geschlechter zu vereinen? Bereichert nicht gerade diese Zusammenarbeit, unabhängig von der Institution oder dem Fachgebiet, die gemeinsame Arbeit? Würde man nicht viel gewinnen, wenn man sich an einen Tisch setzt, miteinander spricht und zusammen an einem Problem arbeitet? Das alles wäre gar nicht so schwierig, man müsste sich nur endlich auf Augenhöhe begegnen und dabei helfen leider nun mal auch keine Quoten.“

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