Werbung in Zeiten der Reizüberflutung

Mehr Werbung pro Quadratmeter ist kaum möglich – Times Square, New York City
Mehr Werbung pro Quadratmeter ist kaum möglich – Times Square, New York City

Sie ist immer bei uns, überall. Morgens im Radio, an der Bushaltestelle, am Bahnhof. Beim Zeitunglesen springt sie uns an. Beim Surfen im Internet verfolgt sie uns und meint zu wissen, was uns gefällt. Abends im Kino schallt sie uns laut entgegen und begegnet uns an ruhigen, privaten Orten – manchmal sogar auf dem Toilettenpapier.

Ich spreche von Werbung. Werbung, die immer mehr zu werden scheint und nur noch darauf aus ist, unsere Aufmerksamkeit zu erhaschen, die mittlerweile unser wertvollstes Gut geworden ist.

Die Zeitschrift brand eins, eine meiner liebsten morgendlichen Zuglektüren, hat im Februar eine ganze Ausgabe diesem Thema gewidmet und mit einem – wie ich finde – sehr gelungenen Cover gekrönt:

Provokanter Titel, klare Botschaft.
Provokanter Titel, klare Botschaft.

Thema ist natürlich die Werbung und wie sie unseren Alltag bestimmt, welche Probleme Werbeleute heutzutage haben, Aufmerksamkeit zu erlagen und der fehlende Mut der Unternehmen, spannende, andersartige und vielleicht auch ein wenig provokante Werbung zu machen, die über das übliche „Promi-Testimonial empfiehlt…“ hinausgeht.

Zwei Werbekampagnen haben es in letzter Zeit erfolgreich in meinen Aufmerksamkeits-Radius geschafft, denn sie hatten (wie ich finde) den Mut, aus dem monotonen Werbe-Einheitsbrei auszubrechen:

1. EDEKA mit ihrem Supergeil-Video (Agentur: Jung von Matt)

2. Opel mit Internetseite plus Plakataktionen „Umparken im Kopf“ (Agentur: Scholz & Friends)

Mit großflächigen und ziemlich häufig sichtbaren Plakataktionen (gefühlt an jeder Bushaltestelle und jedem Bahnhof in meinem Umfeld) versucht die Automarke Opel momentan, ihr Image aufzubessern. Erster Schritt waren dabei schwarz-gelb-rote Motive, die geläufige und weniger geläufige Vorurteile aufgegriffen und revidiert haben.

Im zweiten Schritt hängen jetzt überall Plakate mit der Frage und Aufforderung: „Ist Opel noch so, wie Sie denken? Schauen Sie doch mal nach!“ Darauf folgt der Verweis auf die Internetseite http://www.umparkenimkopf.de, wo bekannte deutsche Schauspieler über Vorurteile und Klischees und ihre Probleme damit sprechen. Was mir gut gefällt: Ich werde gesiezt! Hey, das passiert nicht (mehr) oft! Im derzeitigen „Wir sind alle so cool und locker und duzen uns“-Wahn finde ich das mal ganz nett und respektvoll. Wo Werbung ja sonst nicht mehr viel von Respekt und Privatsphäre hält… (siehe Einleitung).

Mittlerweile gibt’s auch nen Fernsehspot und viele Videos auf YouTube, wo zum Beispiel die neuen Vorstände bei Opel darüber sprechen, wie sie Opel wahrgenommen haben, bevor sie dort gearbeitet haben. Und einen Vorstand dazu zu bringen, öffentlich zu sagen, dass er die Marke Opel vorher nicht wahrgenommen hat/verstaubt fand/niemals gekauft hätte, finde ich schon mutig. Ja, ist alles ein abgekartertes Marketing-Konzept, ich weiß. Aber ich wette, man würde als Marketing-Verantwortliche/r in den meisten Unternehmen ziemlich große Probleme haben, solch ein Video umzusetzen.

Daher von mir ein großes Lob, dass Opel sich getraut hat, sein negatives Image nicht zu vertuschen und eine hübsche, glatte, neue Werbung gemacht hat, sondern die Vorurteile und Klischees als Aufhänger für etwas verwendet hat, was – zumindest meine – Aufmersamkeit erregt.

Fazit: Mehr Mut in der Werbung, Schwächen zu Stärken machen und ehrlich dazu stehen. Irgendjemandem wird es immer  missfallen. Aber der würde das Produkt dann eh nie kaufen.

PS: Falls jetzt jemand denkt, ich werde von Opel gesponsert oder möchte als Opel-Fan Werbung machen: Nein, das ganz bestimmt nicht! Mir geht es lediglich um die Werbekampagne, die ich persönlich sehr gelungen finde. Ich besitze kein Auto und plane auch nicht, eins anzuschaffen. Und wenn das irgendwann der Fall sein sollte, dann eine andere Marke, aus Heimatverbundenheit. Ich komme aus Wolfsburg. 😉

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