Wie weit muss ich gehen? – Ein paar Gedanken über Flexibilität in unserer Zeit

Hallo! Da bin ich wieder! Die Wände sind gestrichen, die Gardinen hängen, das Bett steht. Jetzt müssen „nur“ noch die Kartons ausgepackt werden. So ein Umzug bedeutet eine ganze Menge Arbeit und ich habe den Eindruck, mit jedem wird es anstrengender. Doch wieso eigentlich der ganze Aufwand? Ich habe mir in der letzten Zeit viele Gedanken über das „warum“ und „Ist das so richtig?“ und über die Flexibilität gemacht, die unser modernes Leben uns so manches Mal abverlangt.

Es gibt Menschen, die haben ihr gesamtes Leben an einem Ort verbracht. Menschen, die in der gleichen Stadt gestorben sind, in denen sie das Licht der Welt erblickten. Erster Job, erste Liebe, erstes Kind – alles am gleichen Ort passiert.

Ein Gedanke, der für mich unvorstellbar wäre. Die Welt ist groß und steht uns heutzutage durch mannigfaltige, bezahlbare Verkehrs- und Transortmittel offen. Wer seine beruflichen Träume erfüllen will, muss oft zwangsläufig für die passende Ausbildung oder den richtigen Studiengang in eine andere Stadt ziehen. Es folgen Praktika in wieder anderen Städten, Stationen im Ausland, erster Job an einem ganz anderen Ort. Zählt man auch vierwöchige Praktika mit, habe ich (inklusive Heimat) bereits in sieben verschiedenen Städten gewohnt plus eine achte, in die ich momentan noch jeden Tag pendle. Doch so langsam reicht es mir…

Mal war es die Stadt, die mich gelockt hat, meistens jedoch eher die Möglichkeit, die sich dort ergeben hat. Und jetzt habe ich eine Wohnung in einer Stadt, in der mich – beruflich gesehen – nichts erwartet. Kein Studienplatz, kein Praktikum und auch (noch) kein spannender Job. „Ist das nicht furchtbar unvernünftig?“ fragt mich mein Gewissen jeden Tag.

Vor zwei Jahren war ich in Köln auf dem Absolventenkongress, weil ich nach dem Bachelor keinen Masterstudienplatz bekommen hatte und nun nach einem Berufseinstieg suchte. Dort traf ich eine ehemalige Kommilitonin, der ich meine Geschichte erzählte. Ihre Begleiterin fragte ich mich, ob ich mich auch in XY (ich erinnere mich nicht mehr an die Stadt, aber es war irgendwo sehr weit im Süden von Deutschland) für den Master beworben hatte. Als ich verneinte und sagte, dass mir das zu weit weg von meiner Heimat wäre, meinte sie nur patzig, dass ich mich dann ja auch nicht wundern müsse, dass ich keine Zusage bekommen hätte.

Nicht jeder von uns ist so flexibel wie Elastika.

Sicherlich war ich sehr enttäuscht, dass ich keinen Masterstudienplatz bekommen hatte, aber steht der berufliche bzw. „studentische“ Erfolg heutzutage wirklich über allem? Darf ich einen tollen Job ausschlagen, weil ich nicht umziehen will? Ist es ok, bei Familie und Freunden zu bleiben und dafür gar keinen Job zu haben? Wie flexibel muss ich sein?

Natürlich ist es jedermanns eigene Entscheidung, wegzugehen oder zu bleiben, wo man ist. Ich habe jedoch den Eindruck, dass man heutzutage kompromisslos überall hingehen muss, um bloß nicht ohne Studium, ohne Job zu sein. Haben Heimat, Familie und Freunde keinen Wert mehr? Geht es nur mir so oder seht ihr das ähnlich?

Fazit: Ich bin wohl irgendwas zwischen ambitioniertem Weltenbummler und Heimat-Liebchen. Orts- und Jobwechsel: Ja, gerne. Aber nicht um jeden Preis!

Ich habe einen befristeten Job und wenn die Zeit gekommen ist, gehe ich – nur der Liebe wegen – in eine fremde Stadt (ganz weit im Süden von Deutschland 😉 ), ob ich einen Job habe, oder nicht. Ich finde das ganz herrlich unvernünftig!

PS: Und jetzt schreibe ich Bewerbungen!

PPS: Falls jemand jemanden kennt, der jemanden kennt, der in München in der PR- oder Werbebranche tätig ist und Nachwuchs sucht, der kann mir gerne schreiben. Was ich schon alles gemacht habe und wo ich schon überall war, steht auf meinen XING-Profil.

Advertisements
Wie weit muss ich gehen? – Ein paar Gedanken über Flexibilität in unserer Zeit

2 Gedanken zu “Wie weit muss ich gehen? – Ein paar Gedanken über Flexibilität in unserer Zeit

  1. Hi Christiane,

    ich mache mir im Moment ganz ähnliche Gedanken. Ich muss ja auch gerade total flexibel sein und endlich einen Job zu finden hat höchste Priorität.

    Während des gesamten Masters hatte sich für mich persönlich eigentlich schon rausgestellt, dass ich eher der „Familientyp“ bin. Meine Partyzeit hatte ich während des Bachelors und ich habe seit vielen Jahren eine glückliche feste Beziehung. Das „studentische“ Leben sagt mir schon lange nicht mehr zu. Jetzt steht für mich wieder ein Neuanfang in einer neuen Stadt und Fernbeziehung auf unbestimmte Zeit auf dem Plan. Ich frage mich im Moment oft, ob ich mich richtig entschieden habe so lange zu studieren. Nun ja, ich habe mich nun einmal so entschieden und muss jetzt das Beste daraus machen, das steht fest. Dass ein fester Wohnsitz und Familie erst mit Mitte 30 (Albert Anfang 40) möglich sein wird war meine eigene Entscheidung. Wahnsinn, wie sich die Dinge verändert haben, oder? Meine Eltern haben in meinem Alter ihre erste Eigentumswohnung gekauft. Na ja – wenn ich erst mal einen spannenden Job habe und die Ungewissheit nicht mehr so an mir nagt wird sich schon alles fügen. Vielleicht mache ich mir auch zu viele Gedanken. Albert z.B. ist einfach IMMER zufrieden. Manchmal beneide ich ihn dafür. 😉

    Ich finde es total gut, dass du solche/deine Gedanken hier teilst – einfach zu wissen das es Anderen ähnlich geht. Ich hoffe was ich eben geschrieben habe klingt nicht schwarzmalerisch, das bin ich nicht… Ich mache mir halt auch viele Gedanken. Ich finde es super, dass du einfach erst mal mitgehst ohne zu wissen wie es weitergeht. Ich denke es ist gerade heute wichtig sich auch mal bewusst für alte Werte zu entscheiden. Ich finde das nicht unvernünftig. Es kann doch kein gesellschaftlicher Imperativ sein immer 100% flexibel sein zu müssen für die Karriere. Wenn andere das wollen/können – bitteschön. Mir ist mein Job sehr wichtig, aber auch meine Familie! Das muss irgendwie unter einen Gut gehen. Wenn das nicht geht ist es für mich nicht das Richtige. In München findest du bestimmt etwas! 🙂 Nächste Woche habe ich auch ein Gespräch in München. 😉

    Ganz liebe Grüße
    Clara

    1. Hallo Clara,
      vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Ich habe lange überlegt, ob ich so etwas Persönliches hier veröffentlichen sollte. Schließlich habe ich mich dazu entschlossen, weil es mich einfach sehr bewegt momentan. Sinn und Zweck meines Blogs sollte es ja sein, meine Gedanken loszuwerden. Und siehe da, du bist nicht die Einzige, die mir die Rückmeldung gibt, dass sie sich in einer ähnlichen Situation befindet! Das macht mir echt Mut!

      Ich drücke dir die Daumen, dass es bald klappt mit deiner Jobsuche. Und ich würde mich sehr freuen, wenn du auch nach München kommst (auch wenn das dann ganz schön weit weg von Albert wäre… 😦 )!

      Liebe Grüße
      Christiane

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s