„Einmal ohne alles, bitte!“ – Verzicht als Trend

„Mit Kalzium“, „mit der Extra-Portion Milch“, „mit vielen Vitaminen“ – vor ein paar Jahren noch konnten gar nicht genug tolle Sachen in Lebensmitteln enthalten sein. Auf jeder Verpackung wurde mindestens ein Inhaltsstoff angekündigt, der den Konsumenten gesünder, stärker, glücklicher, oder alles auf einmal machen sollte.

Doch die Zeiten der Zusatzstoffe und Extra-Portionen scheinen vorbei zu sein. Verzicht ist jetzt Trend. Heute findet man nahezu auf jeder Lebensmittelpackung einen Hinweis darauf, was darin nicht enthalten ist: ohne Konservierungsstoffe, ohne Geschmacksverstärker, ohne Farbstoffe, laktosefrei, glutenfrei, etc. Sogar per se pflanzliche Produkte wie Fruchtsäfte werden mit dem Siegel „vegan“ verkauft.

Den Höhepunkt der Absurdität findet der ganze „ohne-Trend“ bei den Zigaretten, die jetzt unter der Überschrift „ohne Zusätze“ verkauft werden. Egal, was früher noch so alles beigemischt war – es waren nie die Zusatzstoffe, die das Rauchen ungesund gemacht. Die Frage ist, ob vorher wirklich etwas beigemischt war, oder ob es vorher einfach niemanden interessiert hat…

Sogar die Modezeitschrift „InStyle“ berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe über das merkwürdige Aufkommen von Laktose- und Glutenintoleranzen. Irgendwie sei es ja schon schick, so ein bisschen sensibel zu sein. Und seit es laktosefreie Milch auch beim Discounter gibt, auch gar nicht mehr so kompliziert. Letztendlich ist es jedoch nur eine geringe Anzahl Menschen, die ein wirkliches Problem mit Milch und Weizen haben.

Doch was erhoffen sich Werbetreibende und Verpackungsgestalter von der Werbung mit dem Nicht-Enthaltenen? Sind Lebensmittelskandale Schuld daran, dass die Konsumenten immer mehr Angst vor nicht-deklarierten, schädlichen Zusatzstoffen haben? Oder ist es einfach nur „in“, auf etwas zu verzichten bzw. eine Unverträglichkeit zu haben? Hierzu hat Maike Winnemuth eine amüsant-interessante Kolumne geschrieben.

Als ich vor sieben Jahren das erste Mal in der Fastenzeit auf Süßigkeiten verzichtet habe, wurde ich noch von allen Seiten als verrückt erklärt (zumal es während der Lernphase vor den Abiturprüfungen war) und nie wieder habe ich den Satz „Das könnte ich niiieee!“ so oft gehört. Mittlerweile ist es Gang und Gäbe, 40 Tage auf irgendetwas verzichten. Dieses Jahr war esDAS Gesprächsthema in der Kantine. Es gibt mittlerweile Fastenkuren an der Nordsee, an der Ostsee, bestimmt auch in den Alpen und in der Karibik, für die manche Menschen viel Geld zahlen, damit sie eine Woche in ein Hotel zu fahren, um nichts zu essen. Der religiöse Aspekt der ganzen Sache? Ist irgendwo im Nirvana verschwunden…

Verrückte Welt, irgendwie. Ich bin gespannt, wie sich diese Sache weiterentwickelt. Essen wir irgendwann gar nichts mehr? Versteht mich nicht falsch: Ich bin nicht für Konservierungsstoffe usw. im Essen und wer wirklich eine Laktoseintoleranz hat, der kann sich freuen, dass es mittlerweile so viele Milchprodukte „ohne“ gibt. Aber ich finde es nicht schön, dass uns in gewisser Weise Angst vor dem Essen gemacht wird, zumal viele Menschen nur mit einem gefährlichen Ernährungs-Halbwissen gewappnet sind (ich nehme mich da gar nicht aus). Ich esse einfach das, was mir schmeckt und von allem etwas. Und wenn ich merke, dass es mir nicht gut tut, dann es ich es eben nicht so oft. Oder wenn’s schmeckt, vielleicht doch manchmal etwas öfter… 😉

 

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